Kapitel 03 - HOLOCAUST IN DER STADT - Tag Zwei
Der Morgen kommt früh, zusammen mit dem Lärm von Menschen, die Töpfe und Pfannen über die Balkonbrüstung werfen. Sie werfen sie runter, zusammen mit Decken, Kissen und anderen Dingen. Und zwar um sich den Extra-Weg zu sparen falls sie das alles über das gedrängte Treppenhaus heruntertragen würden.Anscheinend haben sich ein paar der Bewohner entschieden, auszuziehen.
Vielleicht solltest du das auch tun.
Im Hellen sieht alles besser aus, oder?
Der Fernseher geht immer noch nicht.
Das Telefon funktioniert auch nicht. Und weißt du was - die Toilette spült nicht.
Du kannst nichts kochen. Du musst das essen, was du hast. Siehst du, das war nicht so schlimm.
Mach daraus eine Art Picknick. Iss direkt aus der Dose.
Es wird kein Wasser geben, um Geschirr zu spülen.
Aber siehst du, wir haben den Weltuntergang überlebt..
Wir haben nicht einmal eine Explosion gesehen, eine Bombe gehört, oder irgendwas in der Art.
Vielleicht sollten wir uns gemeinsam hinsetzen und versuchen, uns darüber klarzuwerden, was wir von hier ab machen werden.
Und so sitzen wir hier, unversehrt, am Tag nach dem Weltuntergang.
Aber es gibt ein paar Probleme, die am Horizont auftauchen.
Möglicherweise wird die Stadt innerhalb der nächsten ein, zwei Tage bombardiert.
Es gibt keine Möglichkeit zu wissen, ob das passieren wird oder nicht.
Selbst wenn es nicht passiert, wie können wir hier bleiben?
Die Elektrizität ist aus. Die Fernwärme ist aus.
Das Wasser ist aus. Und das alles geht nicht wieder an - zumindest nicht bald.
Die Fahrstühle funktionieren auch nicht.
Für ältere und behinderte Menschen heißt das, "wenn wir heruntergehen (falls wir heruntergehen können), können wir nicht wieder heraufkommen."
Es gibt keine Lebensmittel mehr im Supermarkt und es wird dort auch keine neuen mehr geben.
(Es sei denn du glaubst der Regierung, die verspricht, daß sie innerhalb von zwei Wochen liefern wird - Wetten, dass ...?)
Dann ist da noch dieses schreckliche Zeug, das radioaktiver Atomstaub genannt wird, das innerhalb von vierundzwanzig bis achtundvierzig Stunden auftauchen könnte, oder sogar noch früher.
Jetzt haben wir alle den Film "On The Beach" gesehen oder das Buch gelesen, oder zumindest davon gehört, und Beach höchstpersönlich taucht auf, mit der Lösung: eine Tasche voller Zyankali-Kapseln.
Wenn du eine willst, wird er dir eine für jedes deiner Kinder und Enkelkinder geben. Es gibt nur einen Haken.
Es ist nur eine begrenzte Zahl vorhanden und sie sollen nicht verschwendet werden.
Also musst du jedes deiner Kinder und/oder Enkelkinder in einer Reihe aufstellen und ihnen die Kapseln verabreichen, während ich anwesend bin.
Wie viele von euch werden das machen?
“Hier ist deine Vitaminpille. Weit aufmachen.”
Nein? Dann bist du wirklich ein Überlebender.
Hier bist du und hast immer gesagt, du hoffst, die Bombe würde direkt auf dich fallen, und dann, als ich dir einen einfachen Ausweg angeboten habe ... hast du gesagt, daß es nicht so schlimm sein würde: eine Welt ohne Strom, Autos, Radio, Fernsehen, Telefon und Supermärkte.
Und stimmen neben dir vielleicht nur weitere sechzig Millionen Menschen in Nordamerika zu.
Aber, so eine Welt gab es schon mal. In 1800. Die Menschen damals hatten keine Autos, Supermärkte, Filme, Fernseher, Radios, Telefone, moderne Medizin, Flugzeuge, Raketen und Computer.
Und sie haben überlebt.
Sie konnten sich vielleicht sogar des Lebens erfreuen.
Vielleicht sogar mehr noch als viele Menschen heutzutage, mit all ihren Drogen, Beruhigungsmitteln und was es sonst noch alles gibt.
Die Menschen sind generell Überlebenskünstler.
Pack sie auf eine Eisscholle in der Mitte der Arktis, mit keiner Hoffnung auf Rettung, keinen Vorräten - nichts - und sie werden durchhalten.
Ein paar werden sogar überleben, bis sie gerettet werden.
Du bist ein Überlebender und du hast den Weltuntergang überlebt - und den Tag danach.
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