Kapitel 02 - HOLOCAUST IN DER STADT - Tag Eins
Während die Hauptausrichtung dieses Buches auf dem Wiederaufbau der Gesellschaft und dem Leben nach der Großen Katastrophe in den Vororten, Kleinstädten und Dörfern liegt, werden wir nun einen Abstecher machen. Und uns dabei die Umstände in den Städten anschauen. Diese werden wesentlich herausfordernder sein werden, selbst wenn deine Stadt nicht bombardiert wurde.Auf dem gesamten Kontinent werden der Strom und das Licht plötzlich ausgehen.
Wenn du gerade einem batteriebetriebenen alten Röhren-Radio (wann hast du zuletzt so eines gesehen?) zuhörst, das auf einen "gehärteten" Sender eingestellt ist (ich wüsste nicht, wo du einen finden würdest), welcher (wohl kaum) das Notfall-Rundfunk-Signal überträgt (oder was im Moment das Notfall-Alarmierungs-System genannt wird), dann wüsstest du, daß der Weltuntergang begonnen hat.
Ansonsten würdest mit dem Rest der Überlebenden draußen stehen und sagen,
"Netter Tag heute, nicht? Seltsam, daß der Strom an so einem schönen Tag wie heute ausgeht." Stille.
Die Sonne wird weiter scheinen, die Vögel werden singen und eine Brise wird wehen. Du wirst nicht wissen, daß sie in, sagen wir mal, New York City ein paar mehr Probleme haben.
Sie sind nicht mehr da. Stille.
Schließlich werden Neuigkeiten hereinsickern.
Mit der Chance, daß an den Gerüchten was dran sein könnte, versuchst du jemanden anzurufen.
Deinen Ehepartner, einen Freund, einen Verwandten.
Bemühe dich nicht. Stille.
Das Telefon funktioniert auch nicht.
Selbst wenn der EMP es nicht erledigt haben sollte. Denn selbst ein einfacher Stromausfall verursacht solch eine Überlastung der Zentralvermittlungsstelle, daß du nicht einmal einen Rufton zu hören bekommst.
Du bist ein Überlebender.
Der Weltuntergang sich ereignet und du bist ein Überlebender.
Während du darauf wartest, daß dein Ehepartner und die Kinder heimkommen, solltest du vielleicht was Praktisches machen. Wie zum Beispiel zum Supermarkt runter gehen und dir ein paar Extra-Vorräte zulegen.
Dir könnte auffallen, daß der kleine Eckladen geschlossen hat.
Wenn die Besitzer dem Gerücht Glauben geschenkt haben, werden sie ihren Warenbestand sichern wollen. Und ganz nebenbei, dein Geld könnte morgen überhaupt nichts mehr wert sein.
Du dachtest, du hast vorher eine rapide Inflation gesehen.
Aber das ist jetzt von Null zu einer Million in sechzig Sekunden.
Beim Supermarkt wirst du, wenn du früh genug dran bist, Tumult vorfinden.
Wenn nicht, wirst du praktisch nichts vorfinden.
Vielleicht findest du einen großen Sack mit Hundefutter (nimm es mit) und ein paar Dosen mit Bohnerwachs (vergiß es).
Der Rest des Zeugs war in all den Einkaufswägen, die den Bürgersteig runtergerauscht sind. als du angerannt kamst.
Es wird keine Kassierer an den Kassen geben (sie haben ihre Einkäufe getätigt und sind gegangen). Außerdem funktionieren die Kassen ohne Strom sowieso nicht.
Es könnte sein, daß der angestellte Manager etwas länger gebraucht hat, zu realisieren, daß er abgreifen sollte, was er kann und sich auf den Weg nach Hause zu seiner Familie machen sollte. Aber jetzt ist er vermutlich gegangen.
Die einzigsten Polizisten, die du siehst, sind jene, die Zeug für sich selbst abgreifen.
Falls du auf dem Weg zurück einen Einkaufswagen mit etwas drin sehen solltest - denk zweimal darüber nach, bevor du dich bedienst.
Falls es eine Auseinandersetzung gibt, könnte es möglicherweise keine Ärzte im Krankenhaus geben welche die Verletzungen nähen könnten.
Die anderen Menschen um dich herum sind auch zu beschäftigt.
Zu beschäftigt um sich damit zu plagen, einen Krankenwagen zu rufen.
Selbst wenn sie das könnten und wäre wohl keiner verfügbar, wenn sie es versuchten.
Natürlich könnte der Ausflug zum Supermarkt ganz anders abgelaufen sein.
Es könnte nur ein bisschen aktiver als üblich gewesen sein. Wenn aber die meisten Menschen bei dir bisher keinen Wind gekriegt haben, dann hast du sehr viel Glück.
Du murmelst einfach ständig zu dir selbst.
“Gute Menschen, gute Menschen - so ist's recht, so ist's recht, schön ruhig bleiben.”
Auf diese Weise können wir erledigen, was wir zu erledigen haben.
Und zwar so schnell wie wir können. Während wir versuchen keine Panik anzuzetteln..
“Ja. Ich verstehe, daß die Kassen nicht funktionieren, aber lassen Sie mich Ihnen helfen, das per Hand zusammenzurechnen. Nein, das ist in Ordnung, behalten Sie das Wechselgeld.”
Wenn natürlich alles wirklich so ruhig ist, dann können wir auch unsere gute alte Plastik-Kreditkarte zücken und rausgehen und all die gute Überlebensausrüstung kaufen, die wir brauchen und die wir im Voraus hätten besorgen sollten.
Mach dir keine Sorgen, wenn es darum geht dafür zu bezahlen.
Niemand wird dir eine Rechnung senden.
Das Zeug nach Hause zu bringen, könnte ein Problem darstellen, falls das Auto nicht funktioniert.
(Der EMP könnte das raffinierte elektronische Zündungssystem ausgelöscht haben).
“Nein, das ist in Ordnung. Sie müssen das nicht liefern. Ich packe das einfach hier in mein kleines rotes Wägelchen.”
Aber sicherlich willst du das nicht den ganzen Weg hoch zu deiner Etagenwohnung im zweiunddreißigsten Stock schleppen, falls es irgendwo einen sicheren Ort gibt, wo du es verstauen kannst.
“Kannst du das glauben, daß die Leute wirklich so ruhig bleiben?
Wie kommt es, daß wir so viel schlauer als der Rest sind?”
Wahrscheinlich bist du nun wieder zuhause. Und alles was du hast, ist der fünfundzwanzig Kilo Sack mit Hundefutter.
Wirst du wirklich in der Lage sein, ihn in deine Etagenwohnung im zweiunddreißigsten Stock zu tragen?
Du weißt natürlich, daß die Fahrstühle nicht funktionieren und es stockfinster in den Hallen und Treppenhäusern ist.
Vielleicht könntest du ihn im Kofferraum deines Autos in der Garage verstecken— wenn dich niemand dabei sieht.
Ahhh . . . zurück zu Haus in der Etagenwohnung.
Trautes Heim, Glück allein.
Die Kinder sind von der Schule zurück.
Du wirst sie wahrscheinlich nicht nochmal rausschicken, um noch mehr zu ergattern.
Denn draußen geht nicht gerade eine frohe Feier vor sich.
Hast du Watts, Detroit, Washington DC, und Baltimore nach anderer solcher Feiern gesehen?
Ich habe Sie gesehen. Ich denke, ich würde die Kinder zuhause lassen.
Es ist nicht viel, was du tun kannst, außer darauf zu warten, daß dein Ehepartner zu Fuß nach Hause kommt.
Das sollte nicht mehr als ein paar Stunden dauern.
Dein Ehepartner kommt endlich zuhause an.
“Was meinst du damit, alles was du ergattern konntest, sind fünfundzwanzig Kilo Hundefutter?? Wir haben nicht mal einen Hund.”
Der Strom ist weg. Wir können sowieso nichts kochen.
Am besten ist es, alles aus dem Kühlschrank zu essen, bevor es schlecht wird.
Es wird kein Wasser mehr geben, sobald die mit Pumpen befüllten Wassertanks auf dem Dach leer sind.
Hoffentlich hast du dir ein paar Töpfe voll gesichert.
Wenn jeder seine Badewanne auffüllt, ist alles weg.
Es ist kalt geworden. Man könnte genauso gut ins Bett gehen. Es gibt auch kein Licht.
Sicherlich gehen wir nicht nach draußen auf die Straße in dieser Dunkelheit, mit all dem Lärm, der da unten vor sich geht.
Hoffentlich schaut am Morgen alles besser aus.
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