Kapitel 05 - ERWACHEN AUS DEM SCHLUMMERZUSTAND - In der Stadt

Kapitel 05 - ERWACHEN AUS DEM SCHLUMMERZUSTAND - In der Stadt


Die Periode radioaktiven Atomstaubs war ohnehin keine gute Zeit zum Reisen.
Somit sind wir jetzt hier, einen Monat später. Und sind immer noch in der Stadt.
Und wir müssen weiterhin noch die Entscheidung treffen, ob wir fortgehen oder bleiben sollen.
Diese Kapitel ist hauptsächlich an jene gerichtet die sich entschieden haben zu bleiben.

In den Tagen vor dem Holocaust bestand mein Trademark-Ratschlag im Ark Two Rundbrief aus drei Dingen:
Nummer eins: Raus aus den Städten.
Nummer zwei: Raus aus den Städten.
Nummer drei: Raus aus den Städten.

An diesem Punkt, nach dem Holocaust, weiß man nicht länger, ob das eine gute Idee wäre. Und es gibt wenig Ermutigung anzubieten für jene, die sich entscheiden, Flüchtlinge zu werden
- außer ihnen "Viel Glück" zu wünschen -
aber es wird noch ein wenig über die Entscheidung fortzugehen gesagt werden.

Die Vier Faktoren, welche über das Überleben entscheiden:
  • Standort
  • Wissen
  • Vorbereitung
  • Glück
Jene, die Vorbereitungen getroffen haben zu fliehen und ihren Rückzugsrucksack haben.
Und natürlich haben sie auch die besten Pläne, was ihre Reiseroute und so weiter betrifft.
Dennoch sie sollten beten.
Und zwar dafür daß ihre Flucht nicht im Winter stattfinden muss.
Während eines Sturms oder während sehr kalten Wetters ist es sehr wahrscheinlich daß viel mehr Menschen durch die Auswirkungen der Elementen getötet werden.
Und zwar mehr Menschen als durch irgendeine andere einzelne Ursache.
Die Straßen und Autobahnen werden wahrscheinlich verstopft sein.
Wenn es eine Detonation in der Umgebung gab, könnten Überführungen und Stromleitungen auf die Fahrbahn gefallen sein und sie dadurch unpassierbar machen.

Ein Motorrad, Roller oder sogar ein Fahrrad könnten gewisse Vorteile gegenüber einem Auto bieten.
Man könnte Fahrten auf die mitgeführten kleineren Beförderungsmittel, wie z. B. Fahrräder umstellen falls es notwendig wird.

Selbst ohne das eine Detonation stattgefunden hat wird es Staus geben.
Unfälle oder Fahrzeuge denen der Treibstoff ausgeht werden Behinderungen erzeugen welche die Straßen komplett verstopfen.

Sobald sich Menschen in einer Lage wiederfinden, in der sie nur dasitzen können und sobald klar wird das kein weiteres Fortkommen möglich ist, werden sie ihre Fahrzeuge zurücklassen müssen.
Das Fazit ist, daß du es vergessen kannst, ein Auto zur Flucht zu nutzen.
Es sei denn natürlich du hattest einen Plan und hast ihn unverzüglich umgesetzt.
Und zwar  bevor allgemeine Panik eingesetzt hat.

Die verlässlichste Form der Flucht wäre es wahrscheinlich zu laufen.
Wenn Menschen den ganzen Weg von der Stadt aufs Land hinaus laufen müssten und dabei in halbwegs geeigneter körperlicher Verfassung sind, könnten sie das sicherlich in zwei oder drei Tagen schaffen.
Noch einmal, angemessene Vorbereitung kann den Unterschied ausmachen: angemessene Wanderausrüstung, angemessene Überlebenskleidung, eine geplante Fluchtroute, angemessene Auswahl von einzupackendem Material und angemessene Verteilung von Lasten.
Wie bereits vorher gesagt könnten viele durch die Auswirkungen der Elemente getötet werden, abhängig von Jahreszeit und Wetter,.

Es gibt bessere Alternativen.
Du könntest vorher festgelegte Sammelpunkte und -zeiten mit anderen Überlebenden ausmachen. Die starten vom Fluchtziel aus und kommen dorthin.
Du hättest auch, in einer sich verschlimmernden Vor-Krisen-Situation, einen früheren Abmarsch von deinem Aufenthaltsorts machen können.
Jeder mit einem praktischen Überlebensplan, der unmittelbar reagiert, könnte herauskommen bevor der Andrang losgeht.
Bei den Anderen - ist es dafür zu spät.

Die Überlebensfaktoren für viele Menschen werden sich verbessern, wenn sie raus aufs Land oder auf die windgeschützte Seite eines Berges kommen.
Die Bedrohung durch Detonation und Hitzestrahlung ist dann erheblich reduziert.
Detonation und Hitzestrahlung werden, während sie in ihren Effekten sehr scheußlich sind, dennoch nicht jeden umbringen.
Obwohl Millionen sterben werden, wird ein großer Prozentsatz der Menschen, die in den Tagen vor dem Weltuntergang lebten, die Detonationen und die anfängliche Strahlung überleben.
Viele dieser Menschen werden sich in einer erheblichen Distanz zu den Detonation befinden. Dennoch werden aber viele durch Verletzungen, die durch fliegende Glasscherben verursacht wurden, schlussendlich sterben.

Es könnte alle möglichen Gründe geben, warum du dich entscheiden könntest, in der Stadt zu bleiben, anstatt aufs Land hinaus zu ziehen.
Falls der Angriff im Winter kommt und du keine geplante Fluchtroute, angemessene Kleidung und Vorräte hast, um die Reise zu machen. Oder wenn du selbst nicht physisch robust genug für die Reise bist. Oder wenn du kein vordefiniertes Fluchtreiseziel hast…
Und selbst wenn du die Reise persönlich machen könntest, dann könntest du dich trotzdem entscheiden, in der Stadt zu bleiben, um nicht Familienmitglieder zurücklassen zu müssen welche die Reise nicht unternehmen können. Das wären z.B. alte Eltern, kleine Kinder, schwangere Mütter und ähnliches.

Jetzt könnte es möglich sein, deine Aktivitäten mit anderen Überlebenden abzustimmen und zu organisieren. Um Fels- und Höhlenbewohner zu werden, so wie jene früher.
Ein Eimer an einem Seil könnte genutzt werden, um Wasser, das von einem nahegelegenen Fluss oder Teich geholt wurde, hochzuholen.
Abfall könnte auf demselben Weg nach unten gelassen werden.
Oder die Toiletten könnten wieder spülen, falls du genug Wasser findest, um es dafür nach oben zu holen.

Damit ist nicht gesagt, daß irgendwas davon ein guter Plan ist.
Es ist einfach ein Plan.
Du sitzt auf einem sinkenden Schiff.
Der beste Plan wäre es gewesen, ins Rettungsboot zu gelangen, aber die Rettungsboote sind alle weg.
Meine Vorschläge ähneln sehr denen, die man einer Gruppe von Menschen geben würde, die auf einer Eisscholle festsitzen.
Drängt aneinander, kuschelt euch zusammen, steckt die Köpfe zusammen. Damit ist nicht gesagt, dass dich das retten wird - aber es ist das Beste, was angeboten werden kann.

Einfallsreichtum könnte notwendig sein, um Wärme und Licht bereitzustellen.
Wenn du genügend Lebensmittel- und Wasservorräte für dich und deine Mit-Überlebenden zusammenbekommen kannst. Wenn es genügend ist um so lange auszuhalten bist du Feldfrüchte anbauen und ernten kannst (wobei viele Überlebenskünstler empfehlen mindestens einen Vorrat für zwei Jahre zu haben).
Wenn du mit den Hygiene-Problemen umgehen kannst, die durch die Krankheitsausbrüche verursacht werden und wenn ihr -  du und deine Mit-Überlebenden - ausreichend organisiert seid, um in der Anarchie zu bestehen, könnte dies der beste Weg sein.
Das größte Problem werden Lebensmittel werden und einfach die Stadt zu verlassen wird dieses Problem nicht lösen.
Die Frage wird sein, wie du dieses Problem in der Stadt lösen kannst.

Genauso wie für den Vorstädter werden die größten Sorgen ganz einfach Lebensmittel und Wasser sein, sowie Sicherheit und soziale Organisation.
Das alte System wird nicht funktionieren. Das in dem jeder in seiner kleinen Box lebte.
Dreißig Stockwerke sind hoch, zu viel zum laufen.
Du musst wahrscheinlich mit allen anderen Bewohnern zusammen hinunter in einen siebengeschossigen Bereich, zwischen der dritten und zehnten Etage, umziehen.
Selbst zehn Stockwerke sind zwar ein langer Weg, um dort hinaufzusteigen - aber nicht jeder wird täglich dorthin pendeln.
In der Tat ist es so, dass einige ältere Menschen diesen Bereich niemals wieder verlassen, bis sie tot herausgebracht werden.
Diese können in den oberen Etagen des Wohnbereichs platziert werden.
Die unteren drei Stockwerke sind eine Art "Burggraben" deiner Festung.
Sie müssen verteidigt, aber nicht wirklich bewohnt werden.

Ein fünfzehnstöckiges Gebäude mit zwanzig Etagenwohnungen pro Stockwerk wird ungefähr sechshundert Erwachsene in sich beherbergen, wenn man von zwei Erwachsenen pro Etagenwohnung ausgeht.
Das würde die Gründung von ungefähr einem LERN pro Stockwerk ermöglichen, mit einem L2 LERN für das gesamte Gebäude, und möglicherweise einem L3 für den Block oder Wohnkomplex. (Das LERN — Lokales Ernstfall Rettungs Netzwerk — Konzept wird später im Buch erklärt.)

Hier nicht auf spezifische Details der Verteidigung eingegangen oder darauf wie Wasser, Treibstoff oder Lebensmittel herangebracht werden können.
Dies wird die Funktion der LERNed (der öffentlichen Diener und Entscheidungsträger des LERN) sein.
Alles, was gesagt werden kann ist daß, während die Aussichten weiterhin nicht gut sind, sie dennoch sicherlich wesentlich besser sind, als wenn jede einzelne Familie, versucht sich in ihrer eigenen privaten Etagenwohnung einzugraben.
Die Alten in einem Bereich zu pflegen (wenn Pflege möglich ist) wird um ein vielfaches effizienter sein und die ohnehin möglicherweise geringen Erfolgsaussichten erheblich erhöhen.
Dasselbe gilt wenn es darum geht eine Kindertagesstätte in einem anderen Bereich zu zentralisieren.
Oder darum das Abhalten von Schulunterricht für Kinder in einem dritten Bereich zu organisieren. Jegliche Lebensmittelzubereitung in einer zentralen Küche durchzuführen und alle Aufgaben und Verantwortlichkeiten zu teilen wird um ein vielfaches effizienter sein.

Man könnte nun im Detail städtische Landwirtschaft behandeln.
Wie man Mutterboden und sonnige Plätze findet und Balkone nutzt.
Oder vielleicht wie man Pflanzen in Behältern von einem sonnigen Platz am Morgen zur anderen Seite am Nachmittag transportiert.
Dies alles könnte in einem Bereich in den höheren Stockwerken stattfinden, der für diesen Zweck geschaffen wurde, oder sogar auf dem Dach.
Wenn die Sicherheit gewährleistet werden kann, können Rasenflächen oder Flächen in Parkanlagen für landwirtschaftliche Zwecke genutzt werden.
Swimmingpools können Wasserlagerungsteiche werden und Techniken des Wassersammelns können entwickelt werden, um Regen aufzufangen.
Aber damit schweift man vom Thema ab, weil es unendlich viele Details gibt, die über die Reichweite dieses Buches hinausgehen. Und diese können weder besprochen noch genannt werden.

Der Rest von Sektion A in diesem Buch wird sich auf die Entwicklung des LERN Systems in der Vorstadt konzentrieren.

Die Prinzipien, die hier anzuwenden sind, könnten genauso gut auf große Städte angewendet werden. Daher werden von diesem Punkt an keine weiteren speziellen Aussagen zu den Eigenheiten der Städte mehr gemacht.
Es könnte sehr gut sein, daß von diesem Zeitpunkt an das Leben in den ländlichen Gegenden immer besser wird. Und das falls sich die Gelegenheit bietet, weil du ja weiterhin überleben willst, du genau das folgende zu denken beginnst. Dass es besser wäre aus der Stadt abzuhauen. Das erinnert mich an den alten Dave Hollister Text:


“Muss gehen, kann nicht bleiben.”

aber auf der anderen Seite ist es vielleicht:

“Kann nicht gehen, muss bleiben.”


Leben, unabhängig davon wo, wird für eine lange Zeit üblicherweise fürchterlich sein.
Davor hast du in den besten Zeiten gelebt, welche die Menschheit jemals erlebt hat.
Selbst die Könige des Mittelalters in Europa hatten es niemals so gut.

Sie hatten kalte, dunkle Schlösser ohne Zentralheizung oder Glasscheiben in den Fenstern.
Nicht viel Medizin oder auch nur Schmerzmittel, um einen Zahn gezogen zu bekommen.

Lebensmittel gab es nur während der jeweiligen Saison und Jahreszeit.
Reisen war so schwierig, daß eine holprige dreißig-Kilometer Fahrt in einer kalten Kutsche einen für den Rest des Tages erschöpfte.
Die Adeligen und die Privilegierten Menschen hatten es zu ihren Zeiten bei weitem am besten.
Die Annehmlichkeiten unseres eigenen Lebens übertreffen zweifelsohne die der Könige des Altertums.

Aber, auf eine wichtige Art und Weise fand dein Leben in der schlimmsten aller Zeiten statt, auch wenn viele Menschen es nicht realisiert haben.
Das galt auch schon vor der Katastrophe, denn die Menschheit hatte sich von Gott abgewandt.
Die Menschen erkannten ihren Zweck nicht mehr in ihrer verzweifelten Suche nach - Glück.

Eingehüllt in Materialismus, Unmoral und Selbstsucht begab sich die Welt auf Autopilot zur Selbstzerstörung. Derweil befand sich ein großer Teil der Menschheit in einem immer bedrückenderem Zustand der Resignation.
Und in einer ungerechten Welt und einem spirituell unerfülltem Leben.

In der Tat kannten viele die Freude oder Bedeutung spiritueller Erfüllung nicht, die darin bestand, Gottes Gesetzen gegenüber gehorsam zu sein.
Und weil das so war kam es, daß Gott sie sich selbst überlassen hat.
Damit sie die Resultate ihrer eigenen Wege erfahren konnten.
Und dabei wurde ihnen die Wahl gelassen, ob sie ihre eigenen Wege und Pläne bevorzugten
oder den Plan Gottes.
Jetzt, in den gegenwärtigen Umständen, werden sich manche Gott zuwenden.
Und Gott wird ihre Bitten beantworten.
Er wird ihnen nicht die luxuriöse, materialistische Opulenz, die sie vorher hatten, zurückgeben.
Aber er wird ihre spirituellen Bedürfnisse erfüllen und ihnen Trost spenden.
Kinder werden weiterhin an medizinischen Komplikationen sterben, die vorher behandelbar waren.
Sie werden weiterhin hungrig und verkühlt sein.
Aber während sich ihre spirituellen Augen öffnen, werden sie Wunder sehen und die Liebe Gottes. Und dadurch werden sie Sinn und Seligkeit in ihren Leben finden.

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