Kapitel 04 - HOLOCAUST IN DER STADT - Tag Drei

Kapitel 04 - HOLOCAUST IN DER STADT - Tag Drei

Bevor wir darüber nachdenken, aufs Land hinauszugehen, lasst uns zuerst die Alternative des Verbleibens in der Stadt in Erwägung ziehen.
Du könntest weder die Zeit noch die Mittel haben um irgendetwas anderes zu tun.
Vielleicht bist du überzeugt, daß der Gegner niemals dazu kommt, deine Stadt zu bombardieren.
Oder du hast das Gefühl, ausreichend unterirdischen Unterschlupf zu haben, falls sie es doch tun.
Nichts wird dich natürlich beschützen, falls es einen direkten Treffer auf deinen Unterschlupf gibt, aber ein guter Luftschutzraum könnte dir sehr guten Schutz geben, bis auf eine Nähe von bis zu acht Kilometern zum Zentrum der Detonation.

Das Problem ist, daß U-Bahnen und Tiefgaragen nicht als Schutzraum für Detonationen konstruiert wurden.
Sie haben keine Überdrucklüftung und Schutztüren.
Jeder, der sich zum Zeitpunkt der Detonation an einem solchen Ort in einem Umkreis von ein paar Kilometern vom Detonationszentrum befindet, wird einem Phänomen, das als popcorning bekannt ist, ausgesetzt sein.
Winzige Partikel von höchst beschleunigtem Sand, aufgenommen von den großen Windströmen, werden durch die Tunnel fliegen und Blasen auf allen entblößten Stellen der Körper verursachen.
Dies, in Kombination mit anderen pathologischen Mechanismen, wird wahrscheinlich innerhalb weniger Tage zu einem eher schmerzhaften Tod führen.

Obwohl der Schutz vor einer Detonation in einem unterirdischen Unterschlupf dem ebenerdigen Aufenthalt wesentlich überlegen ist, gibt es Gründe dafür, daß du in deiner Etagenwohnung im Hochhaus besser aufgehoben bist, als in einem der großen öffentlichen Bunker, wenn du das Gefühl hast, daß es nur geringe oder keine Gefahr einer Detonation gibt.

Die meisten öffentlichen Bunkeranlagen haben keine Vorräte und keine Ausrüstung.
Der durchschnittliche öffentliche Bunker sollte über dreitausend Menschen beherbergen können.
Kannst du dir die Anarchie und die Bedingungen dort vorstellen?
Um einen Vergleich zu ziehen, der Louisiana Superdome in New Orleans zur Zeit des Kategorie 3 Hurrikans Katrina in 2005 war im Vergleich dazu ein Luxushotel.
Nun, ohne Lebensmittel, werden die ersten, die sterben, die Säuglinge sein, die nicht gestillt werden.
Andere frühe Opfer werden Menschen sein, die spezielle Medikamente benötigen (besonders die älteren Menschen) und jeder, der irgendwie verletzt wird.
Wenn du dir ein visuelles Bild ausmalen möchtest, denke an Haiti nach dem Erdbeben - ohne  Hilfe von ausserhalb.

Tote werden nicht nur negative psychologische Effekte auf die Überlebenden haben, sie werden auch ernsthafte Hygiene-Probleme erzeugen.
Es wird ohnehin genug Hygiene-Probleme geben, wenn die Wasser- und Abwassersysteme nicht funktionieren.
Die meisten vorgesehenen Standorte für Schutzräume hatten von Anfang an nicht genug Hygiene-Vorkehrungen für dreitausend Menschen.

Eine der größten Gefahren in einem unterirdischen Schutzraum ist die der Kohlenmonoxidvergiftung.
Die vorgesehenen öffentlichen Schutzräume, fast ohne Ausnahme, haben keine ausreichende Lüftung für eine große Anzahl von Menschen über einen größeren Zeitraum.
Und die vorhandenen Lüftungssysteme sind normalerweise davon abhängig, daß elektrischer Strom verfügbar ist.

Es sind Lüftungs-, Schutz- und Überlebenstechniken verfügbar.
Wenn du allerdings versuchen würdest, sie in einem großen öffentlichen Schutzraum umzusetzen, wärst du wahrscheinlich einer der ersten Menschen, der von den anderen Überlebenden umgebracht wird.
Der Grund dafür ist, daß viele Menschen falsche Vorstellungen haben. Das zum Beispiel entweder die Luft radioaktiv wird oder radioaktive Partikel enthält. Das werden sie für gefährlicher halten als das Kohlenmonoxid.

Wenn du zu diesen Problem noch die Fakten hinzufügst, daß es wahrscheinlich kein Licht im Schutzraum gibt, daß Anarchie um sich greift, daß es fast garantiert keine Lebensmittel und, noch wichtiger, kein Wasser gibt, wirst du verstehen, warum ein trainierter Überlebenskünstler auf keinen Fall in so einer Todesfalle gefangen sein möchte.

Zu deiner Etagenwohnung im Hochhaus zurückzukehren, nachdem die Gefahr der Detonation vorbei ist, gibt einem viel günstigere Möglichkeiten für ein fortgesetztes Überleben, als in einem öffentlichen Schutzraum zu verbleiben.

Wenn du zehn oder fünfzehn Stockwerke über dem Erdboden bist, wird die Distanz bis dorthin dich wahrscheinlich angemessen von der Strahlung radioaktiven Atomstaubs auf dem Boden schützen.
Wenn es zehn oder mehr Stockwerke über dir gibt, wird dich diese Distanz auch von radioaktivem Atomstaub auf dem Dach schützen.

Der Bewohner einer Etagenwohnung sollte versuchen, ein inneres Zimmer ohne Fenster abzusichern.
Eine Detonation vierundzwanzig oder mehr Kilometer entfernt wird die Fenster eindrücken und es sind fliegende Glasscherben die die meisten Menschen töten.
Die Vorhänge zuzuziehen und Rolläden runter zulassen, sind alles hilfreiche Schutzmaßnahmen.
Einer Druckwelle wird ein heller Lichtblitz vorangehen.

Die Überlebenden werden mehrere Sekunden bis zu drei oder vier Minuten Zeit haben.
Es hängt von der Distanz zur Detonation ab, ob man genug Zeit hat um sich hinter ein Sofa zu ducken oder anderen Schutz zu suchen. Das gute alte Duck and Cover.

Wenn du dir mehr Sorgen über die Effekte der Detonation selbst machst, bist du wesentlich besser aufgehoben, dich flach neben ein großes Objekt zu legen, als zum Beispiel unter oder in ein Auto.
In jeder Situation mit viel Kraft und Wucht, wie bei einer Detonation und einem Erdbeben, leg dich neben das Bett oder den Schreibtisch und nicht darunter.
Das Objekt wird oft einen Überlebensraum neben sich erzeugen, obwohl es selbst durch die fallende Zimmerdecke zerdrückt wird.
Ich habe persönlich einige Menschen kennengelernt, die auf diese Weise einen Tornado überlebt haben.
Zusätzlich solltest du dich von Balkonen und Treppen fernhalten und nicht in Türrahmen aufhalten.

Dich selbst darin zu üben, ähnliche, unmittelbare Schutzmaßnahmen zu treffen, kann dir auch helfen, Schutz vor der intensiven Hitzeeinwirkung zu finden, welche eine atomare Detonation begleitet.
Die Hitze kann Feuer im Umkreis von 24 bis zu 32 Kilometer vom Detonationszentrum auslösen.
Feuer selbst können ein Problem werden und wenn du dich in der Windrichtung eines großen Feuers oder Feuersturms befindest, musst du für eine mögliche Kohlenmonoxidvergiftung vorbereitet sein.

Feuerschutzmaßnahmen sind generell wohlbekannt, also werde ich diese hier nicht ausgedehnt behandeln.
Eine der Sachen, die du nicht zu machen brauchst, ist die Feuerwehr anzurufen . . . selbst wenn du könntest.
Es gibt wenig (falls sie immer noch da wären), was Sie tun könnten...ohne zentrale Wasserversorgung.
Aber du kannst Sperren improvisieren, um die Etagenwohnungen über dir zur versiegeln und jene direkt unter dir, so daß kein radioaktiver Atomstaub hineinbläst und in den Stockwerken über deinem Kopf niedergeht, oder sonst irgendwo in deiner Nähe.

Fakt ist, wenn du in der Stadt bist, während die Katastrophe passiert, könntest du versuchen, zu fliehen - aber wenn die Panik bereits begonnen hat, werden die Straßen verstopft sein und du wirst wahrscheinlich nicht in der Lage sein, dich zurückzuziehen.

Aus diesem Grund könntest du die Anfangszeit in der Stadt aussitzen. Die wird wahrscheinlich mindestens einen Monat dauern wird. In dieser Zeit während wird der radioaktive Atomstaub herabgesunken sein.
Eine andere Wahl wäre, dich den Horden von Flüchtlingen anzuschließen und mit vielen anderen auf der Straße zu sterben.

Das ist das, was du vielleicht immer noch tun musst - einen Monat später.

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